Black Media Congress
Mit eigener Stimme sprechen:
Die afrikanische Diaspora und ihre Medien


von Sam Atsu-Nove

Vom 29.bis -31.Oktober 2004 findet der dritte Black Media Congress in Berlin statt. Das Event gehört inzwischen zu den wichtigsten jährlichen Veranstaltungen der afrikanischen Diaspora in Deutschland. «Der Black Media Congress Berlin ist ein Event für Einzelpersonen, Studierende, Medienschaffende, Firmen und nicht-staatliche Organisationen afrikanischer Herkunft, um Kontakte und Informationen innerhalb Deutschlands und der europäischen Gemeinschaft auszutauschen», so die Organisatoren CyberNomads. Langfristiges Ziel des Black Media Congress ist die Entstehung eines funktionsfähigen Media Netzwerks der Black Communities durch die Interaktionen der TeilnehmerInnen. Ein solcher Aufbau von Media Netzwerken setzt das Vorhandensein von funktionierenden relevanten Medien, Einrichtungen und Medienschaffenden voraus, die bereit sind, miteinander zu kooperieren. Die Veranstaltung bietet also den richtigen Anlass, die aktuelle Medienlandschaft der afrikanischen Diaspora in Deutschland unter die Lupe zu nehmen. Die Fragen, die sich hier stellen, sind, ob schon Ansätze der Zusammenarbeit existieren, auf die sich das Black Media Netzwerk stützen kann? Und welche Möglichkeiten die Medien der Black Communities haben, die viel beklagte einseitige Berichterstattung der deutschen Medien über Afrika und Menschen afrikanischer Herkunft zu korrigieren? Der afrikanischen Diaspora in Deutschland fehlt es nicht an eigenen Kommunikationsmedien. Gemessen daran, dass weniger als eine Million Afrikaner in Deutschland zuhause sind, sind die medialen Aktivitäten innerhalb der Community nicht so unbedeutend, wie einige in der Szene meinen. Schon seit Anfang der 70er-Jahre gibt es in der afrikanischen Diaspora eigene Medien, die sich sowohl nach innen als auch an die deutsche Öffentlichkeit richten. Überraschend ist die Fülle an bisherigen Zeitschriften, trotz Kurzlebigkeit einiger Publikationen. Der Bedarf an eigenen Informationsmedien hatte also immer einen hohen Stellenwert innerhalb der Black Communities. Heute erscheinen regelmäßig fünf Zeitschriften, die sich an die afrikanische Szene richten. Drei davon sind in deutscher Sprache und zwei in englisch. Dazu kommen eine Reihe von Rundfunk- und Fernsehsendungen bei lokalen Sendern, die via Kabel und Antenne empfangen werden können. Für den täglichen Informationsaustausch innerhalb der Schwarzen Gemeinschaften hat sich das Internet als großer Segen erwiesen. Die afrozentrischen Mailinglisten wie Afro-Netz, BlackBerlin@Coolist und die regelmäßigen Newsletter einiger Community-Websites sind unverzichtbare Dienste für viele Schwarze in Deutschland. Die deutsche Afro-Szene ist inzwischen mit über 150 Websites von Vereinen, einzelnen Personen, Firmen und anderen Projekten im Netz vertreten. Die meisten Site-Adressen sind als Links auf den Seiten von Internet-Portalen wie Afro Link, Cybernomads oder isdbund zu finden. Einen vollständigen Überblick über Adressen der afrikanischen Community bietet die Publikation AFRICAN-GERMAN CONTACTS 2005 oder die URL www.african-german.de. Rückblick und Überblick. Für Geschichtsinteressierte lohnt es sich vielleicht zu wissen, dass einige Exemplare der alten Zeitschriften-Titel ab 1975 heute noch in privaten und Black-Community-Archiven schlummern.

Die nachfolgende Liste aus meiner eigenen Sammlung ist keineswegs erschöpfend:

1975/76: AFRIKA JOURNAL, trilingual, deutsch, englisch & französisch.
Herausgeber Bart Williams (+).

1977/78: MARKETING IN WEST AFRICA, englisch, München.
Herausgeber war der nigerianische Geschäftsmann Dr.Robert Igbino-ba (+).

1979-81: AFRICAN INTERPRETER, zweimonatlich, englisch & deutsch, Köln.
Angelehnt an Kwame Nkrumahs «African Interpreter» der kolonialen Epoche.
In Deutschland publizierte der Nigerianer David Ogunsade mehrere
Nummern seiner zweisprachigen Zeitschrift.

1985-90: AWA FINNABA. An African Literary Cultural Journal, englisch,
deutsch, Berlin.

1986-1999: BETO.Unabhängiges afrikanisches Magazin für Kultur-Dialog.
Düsseldorf. Nach seiner Einstellung existiert es weiter als Online-Zeitung
unter www.beto-ev.org

1986-1999: AFRO LOOK. Eine Zeitschrift von Schwarzen Menschen in
Deutschland. Deutsch. Begleitete einige Jahre die Afro-Deutsche-Bewegung.

1993-1995: AFRICAN PROGRAMME, Afrokultur-Kalender. Herausgegeben
von Black Media Access /Sam Nove.

AFRICAN PROGRAMME ersetzte 1993 das Monatsprogramm des Kulturzentrums
«EURAFRI».

1998/99: AFRO VIEWS, englisch, Duisburg. Nach drei Ausgaben eingestellt.

1999: AFROSCOPE, Afrozentrisches Stadtmagazin aus Hamburg, deutsch.

2001-2002: BLITE, Black & White, das Jugendmagazin des ISD, deutsch, Berlin.

2001-2003: DJELI. Afro Magazin aus Berlin. Seit Einstellung besteht es
weiter als Online-Zeitung.

2002: AFRICAN WAY, englisch, Darmstadt. Nach drei Ausgaben eingestellt.

Aktuelle Publikationen

1995:AFRICAN-GERMAN MAGAZINE, zwei-sprachig, deutsch &englisch. Zeitschrift der Afrokultur aus Deutschland. Ersetzt «African Programme » seit 1995. Aber im Gegensatz zum monatlichen African Programm erscheint es nur sporadisch zu bestimmten Anlässen, z.B als Begleitheft zur neuen Auflage der AFRICAN-GERMAN CONTACTS.

1998 – 2001 und ab seit 2004: AFRICA LIVE
Die afrikabezogene Zeitung von Ingrid Aouane erscheint zweimonatlich
in deutsch, auch online lesbar.
Tieckstr.16
10115 Berlin
Tel.: 030/ 279 085 30
www.africa-live.de

1998: THE AFRICAN COURIER
Die panafrikanische Zeitschrift aus Speyer in der Pfalz berichtet über
die afrikanischen Gemeinschaften in Deutschland, Belgien, den
Niederlanden und der Schweiz. Zurzeit die wichtigste Zeitschrift der
afrikanischen Diaspora aus Deutschland.
Erscheint sechs Mal im Jahr auf Englisch.
Dr.-von-Hörmann-Str.3a
67346 Speyer
Tel:06232 /640 430
www.theafricancourier.de

1998: AFRICA POSITIVE
Ziel ist eine realistische Berichterstattung über afrikanische Staaten
und über Afrikaner in und außerhalb des Kontinents.
Am Gardenkamp 51 /Zi.11
44227 Dortmund
Tel.:0231 /797 859 0
www.africa-positive.de

2004: AFRICAN HERITAGE
Eine Infotainment Zeitschrift in englisch, erscheint sechs Mal im Jahr.
Elligersweg 23
22307 Hamburg
Tel.:04101 /788 746
Mobile:0170 /987 8495
www.kenkonsult.de/heritage

2004: ORIGIN
Zeitschrift mit Themen aus der Afro-Ethnoszene, deutsch, erscheint
sechs Mal im Jahr und ist kostenlos.
Herausgeber:Savannah Medienkonsult
Goethestr.21
30827 Garbsen
Tel.:05131 /907 154
www.savannah-online.de

Bücher und Broschüren aus der Gemeinschaft

In der deutschen Afro-Szene ist in den letzten Jahren eine ansehnliche Zahl an Büchern und Dokumentationen erschienen. Die meisten davon behandeln die Schwarze Minderheits-Präsenz in der deutschen Mehrheitsgesellschaft und vermitteln damit notwendige Kenntnisse über die afrikanische Präsenz in Deutschland aus der Sicht der Schwarzen. Diese Publikationen können auf Dauer von den etablierten deutschen Medien nicht übersehen werden.

Funk-und Fernsehen

Unzählige afrozentrische Radio-und Fernsehsendungen werden meistens ein Mal in der Woche für ein lokales Publikum auf deutschen Kanälen ausgestrahlt. Hier einige Beispiele:

Berlin

Afro Berlin TV: Im OKB, Donnerstags, 19:00 - 19:30.
Info: André Degbeon
Tel: 0162 /694 255 8
E-Mail: DEGBEON@aol.com

Classic in Black: Radio Programm von Harry Louiserre.
Jeden ersten Mittwoch im Monat auf OKB 92,6 Mhz oder FM 97,2 Mhz
The Collegium Forum &Television Programs Berlin, englisch, von Professor
Donald Griffith &Team.
Sonntags, 21:00 – 22::00 Uhr, OK Berlin.
Info: Tel.: 030/ 782 16 21

Afro FM: 97,2 MHz,Kabel 82,75 MHz.
Jeden Samstag ab 17 Uhr.
Kontakt: afrofm2003@yahoo.co.uk

Tübingen

Freies Radio Wüste

Welle 96.6 MHz, KABEL97.45 MHz, Stadtnetz Rottenburg 101.45 MHz

Münster/Westfalen

Radio Soukous:
Musik und Informationen aus Afrika mit Richard Nawezi.
Jeden zweiten Sonntag im Monat um 19:04 Uhr
Radio AM, Bürgerfunk, 95,4 MHz oder 91,2 MHz.

Wenn man zusätzlich zu den erwähnten Medientypen noch die gemischten Medien-und Veranstaltungsagenturen wie u.a. Pantertainment in Köln, Fountainhead in Berlin, BETO/MWK in Düsseldorf und die vielen einzelnen Medienschaffenden aus der Black Community in Deutschland nimmt, dann ist ein Black-Media-Network keine Utopie. Es bleiben natürlich die anderen notwendigen Voraussetzungen für eine optimale Zusammenarbeit ohne unnötige Reibungsverluste. Entwicklungen in den letzten zehn Jahren deuten auf verbesserten Informationsaustausch in der afrikanischen Diaspora hin. Dass es in diese Richtung noch viel zu tun gibt, ist eine Selbstverständlichkeit.

Wenig Resonanz in der deutschen Öffentlichkeit

Schwierig wird es bei Versuchen, die Anliegen der schwarzen Bevölkerung durch eigene Medien in die deutsche Öffentlichkeit zu bringen. Um die deutsche Bevölkerung zu erreichen, müssen verschiedene Hindernisse überwunden werden. Hindernisse wie eine zu geringe Auflage und Verbreitung von afrikanischen Periodika sowie unsichere Erscheinungsweise der schwarzen Publikationen und, vor allem, das Desinteresse eines großen Teils der deutschen Öffentlichkeit an afrozentrischen Themen. Ein wichtiger Schritt wäre, direkt in den deutschen Medien Informationen mit afrozentrischen Inhalten zu lancieren. Dazu sind aber Allianzen unter interessierten Journalisten und Medien notwendig, weil ausgewogene Informationen über die Schwarze Szene in Deutschland oder aus Kontinentalafrika nicht unbedingt die Verkaufsschlager für deutsche Medien sind. Ein sicherer Weg ist immer, über Projekte aus der Black Community zu berichten, die entweder für die deutsche Öffentlichkeit von Interesse sind oder einen besonderen Marktwerte haben und deshalb von den etablierten Medien nicht ignoriert werden können.


Sicherung der finanziellen Basis

Bekanntlich mussten die meisten afrozentrischen Periodika zwischen 1975 und 2002 aus finanziellen Gründen ihr Erscheinen einstellen. Finanzielle Unsicherheiten plagen die wenigen überlebenden Publikationen und andere Medien auch heute noch, besonders in einer Zeit der knappen Kasse bei potentiellen Anzeigenkunden. Nicht nur, dass bei Community-Medien häufig die nötigen Anzeigen oder auch Sponsoring spärlich einfließen, auch Messebesuche zur Bekanntmachung des Mediums sind unerschwinglich für die meisten. Eine Messe für die Kontaktaufnahme mit potenziellen Anzeigenkunden und interessiertem Publikum bietet die «Messe und Konferenz für Ethnomarketing, Interkulturelle, Medien und Beratung für MigrantInnen (ETHMA), die am 2.und 3.Dezember 2004 in Berlin stattfindet. Teilnehmende Unternehmen und Medien aus den MigrantInnen-Communities in Deutschland treffen auf Unternehmen aus den Bereichen Calling Cards, Call Shops, Money Transfer, Bankwesen, Energieversorgung, Autoindustrie. Afrozentrische Unternehmen und Medien haben hier auch die einmalige Möglichkeit, sich mit Geschäftsleuten aus anderen MigranInnen-Gruppe auszutauschen.

Artikel von Sam Atsu Nove

Sam Atsu Nove
Publizist, Afrika-Experte, Kommunikations- und Sprachwissen-
schaftler, Veteran-Aktivist der afrikanischen Diaspora, seit 1975
in Deutschland, Herausgeber des Adressbuchs der afrikanischen
Gemeinschaften, «African-German Contacts»