| Viele
Welten – glückliche Welten
Eine Sozialstudie über
das Leben
von Migrantinnen in Deutschland
|
 |
„Viele Welten leben“ ist die erste Sozialstudie
über in Deutschland lebende Mädchen und junge Frauen
mit Migrationshintergrund. Das Bundesfamilienministerium,
das die Studie im Dezember letzten Jahres veröffentlichte,
gab die vielschichtige Befragung in Auftrag. Befragt wurden
junge Frauen zwischen 15 und 21 Jahren mit italienischem,
ehemals jugoslawischem (überwiegend serbischem und bosnischem)
und türkischem Hintergrund mittels eines Fragebogens
mit 138 Fragen, die sich um Themen wie u.a. Zufriedenheit,
Bildung, Religion, Heirat und Sexualität drehen.
Das Ergebnis der Studie, die die Daten von 2001 und 2002
auswertet, gibt ein durchaus positives Lebensgefühl der
in Deutschland lebenden jungen Frauen wieder. Migrantinnen
sind sowohl mit ihrer Familie als auch mit ihrem sonstigen
sozialen Umfeld zufrieden. Sie leben weniger in ihren ethnischen
Milieus als vielmehr in Zuwanderermilieus, die von unterschiedlichen
Ethnien geprägt sind.
Die befragten Frauen legen Wert auf Bildung und möchten
sowohl ihre Muttersprache als auch die deutsche Sprache pflegen.
81 Prozent wünschen eine zweisprachige Erziehung ihrer
Kinder. 26 Prozent der Frauen mit griechischem Hintergrund
und 5 Prozent der Frauen mit türkischem Hintergrund bevorzugen
eine Erziehung ausschließlich oder überwiegend
in der Herkunftssprache, eine unbedeutende Minderheit eine
Erziehung ausschließlich in der deutschen Sprache.
Ihre Zukunft planen die Frauen in Deutschland. Gerade viele
Türkinnen möchten gerne heiraten und eine Familie
gründen. Doch nur 22 Prozent können sich vorstellen,
einen deutschen Mann zu heiraten. Die Mädchen mit türkischem
Hintergrund vertreten somit die Meinung ihrer Eltern, die
mit 73 Prozent einer interkulturellen Ehe ablehnend gegenüber
stehen.
Nur junge Frauen mit italienischem Hintergrund können
sich zu 60 Prozent vorstellen, einen Deutschen zu ehelichen,
bei den Frauen mit jugoslawischem Hintergrund sind es 36 Prozent
und von den griechischstämmigen Frauen stehen 33 Prozent
einer binationalen Ehe mit einem Deutschen offen gegenüber.
Viele Frauen fühlen sich ihrer Herkunftskultur zugehörig
und wollen weder als Deutsche noch als Ausländerin bezeichnet
werden. Auch der Begriff „bikulturelle Identität“
wird nur von einer kleinen Minderheit akzeptiert.
In jeder Religion gibt es religiöse und nichtreligiöse
Mädchen. Dennoch wird deutlich, dass Musliminnen weitaus
religiöser sind als die übrigen Frauen. Doch müssen
Musliminnen differenzierter betrachtet werden. Sie unterscheiden
sich in Hinblick auf die Stärke ihrer religiösen
Orientierung sowohl nach nationalem Hintergrund – ob
sie bosnisch oder türkisch sind –, als auch innerhalb
der Mädchen mit türkischem Hintergrund danach, ob
sie Alevitinnen oder Sunnitinnen sind. Von den Musliminnen
mit bosnischem Hintergrund räumen 53 Prozent der Bedeutung
ihrer Religion einen sehr großen Stellenwert, bei den
türkischstämmigen sind es 70 Prozent. Alevitinnen
sind innerhalb der türkischen Befragungsgruppe weniger
religiös. Nur 3 Prozent bezeichnen sich als sehr stark
religiös (als stark religiös aber bereits 46 %),
während es bei den Sunnitinnen mit Kopftuch 68 Prozent
sind und bei Sunnitinnen ohne Kopftuch 18 Prozent. Für
alle jedoch ist vor allem das Selbstvertrauen wichtig, das
der Glaube ihnen gibt.
| Dagmar Trüpschuch |
 |
|