Mama lernt Deutsch

In vielen Familien von Zuwanderern stellt sich das gleiche Problem: Mütter können aufgrund unzureichender Sprachkenntnisse die schulische Entwicklung ihrer Kinder nicht ausreichend begleiten. Den Kindern fehlt dadurch wichtiger elterlicher Ansporn für schulische Leistungen, eine Abstimmung von Lehrern und Eltern wird deutlich schwerer und die Wahrscheinlichkeit für ein schulisches Scheitern der Kinder größer. Aber auch für Mütter sind unzureichende Deutsch- Kenntnisse unbefriedigend. Immer wieder gibt es Situationen, in denen sie auf die Dolmetschertätigkeit ihrer Kinder angewiesen sind, um verstehen, entscheiden und handeln zu können. Das stellt die Familienrollen und Machtverhältnisse in der Familie auf den Kopf und kann zu einem Gefühl der Inkompetenz und Abhängigkeit führen. Um dem entgegenzuwirken, startete das Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt/ Main 1997 das Modellprojekt „Mama lernt Deutsch“. Das Projekt sieht vor, dass Mütter von Zuwandererkindern in Grundschulen, Kindergärten und Moscheevereinen an zwei Vormittagen in der Woche in einem ihnen bekannten Umfeld Deutsch lernen, parallel zum Unterricht ihrer Kinder. Das Projekt lief mit so großem Erfolg, dass es mittlerweile „Mama lernt Deutsch“-Kurse in ganz Deutschland gibt, alleine in Frankfurt in über 20 verschiedenen Kursorten. Inzwischen gibt es auch eine Fortsetzung des Bildungsprojektes – „Mama lernt Deutsch, Papa auch“.

Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten

In Frankfurt am Main leben Menschen aus rund 170 Nationen mit weit über 200 Kultur-, Religions- und Sprachtraditionen. Mit einem Ausländeranteil von 26,7 % an der Gesamtbevölkerung liegt Frankfurt an der Spitze im Vergleich deutscher Großstädte. Im Rahmen der erfolgreichen Integrationspolitik der Stadt Frankfurt am Main leistet das im Juli 1989 gegründete Amt für multikulturelle Angelegenheiten einen wichtigen Beitrag für ein friedliches Zusammenleben und Zusammenwachsen der in Frankfurt lebenden unterschiedlichen nationalen, sozialen, ethnischen und kulturellen Bevölkerungsgruppen. Ziel der Arbeit des Amtes ist es, dafür zu sorgen, dass alle ausländischen Einwohner der Stadt gleichberechtigt Möglichkeiten erhalten, sich im beruflichen wie im privaten Lebensbereich entfalten zu können. Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten organisiert eine Vielzahl von Projekten zu den unterschiedlichsten Lebensbereichen, um die Integration ausländischer Einwohner in Frankfurt voranzutreiben.

Bernhard Heider