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Asiacenter
– Wirtschaftscenter
von Marina Mai
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1994 eröffnete in Berlin-Lichtenberg
das erste vietnamesische Großhandelszentrum Deutschlands,
in dem Textilien, Geschenkartikel und asiatische Lebensmittel
für vietnamesische Einzelhändler angeboten werden.
Die ersten vietnamesischen Großhändler waren weder
wirtschaftlich stark noch verfügten sie über das
Wissen, das man im internationalen Handelsgeschäft braucht.
Ihr Standortvorteil: da viele Großhändler ihre
Waren unter einem Dach anboten, zogen sie ihre Landsleute
an, die als Einzelhändler Ware kaufen mussten. Und die
konnten gleich noch für den eigenen Bedarf einkaufen:
Händler boten in der Halle vietnamesische CDs, Videokassetten,
Zeitungen und Imbissgerichte an.
Asia-Center in Ost-Deutschland:
Vina Trade Center, Schnorrstr.57, 01069 Dresden,
0351/4733-0
Asia Center, Pillnitzer Landstr.34, 01326 Dresden, 0351/2654075
Dong Xuan Markt, Maximilianallee 18, 04129 Leipzig, 0341/9004975
Asialand-Tran, Zschortauer Str.16, 04129 Leipzig, 0341/9127571
Asia Center, Zschortauer Str. 39-41, 04129 Leipzig, 0341/4634594
Asia Center, Kölner Str.9, 04435 Schkeuditz, 034207/91358
Saigon Trade Center, Pyramidenring 8A, 12681 Berlin, 030-54984470
Asiatisches Handelskontor, Rhinstr, 132, 12689 Berlin, 030/54949100
Asia Markt, Halberstädter Strasse 183, 39112 Mageburg
Asia Markt, Liebknechtstraße, 39110 Magdeburg
Asia Großhandelshalle, An der Lache 42, 99086 Erfurt,
0361/7454277
Asia Center, Apoldaer Str.1, 99091 Erfurt, 0361/2126110
In allen diesen Asia-Center sind jeweils zwischen 30 und
150 Handelsunternehmen ansässig. Das Angebot besteht
in der Regel aus importierten Lebensmitteln, Textil-und Spielwaren
und Calling Cards. Die Besucher bestehen vorwiegend aus den
Inhabern von Asia-Shops, Asia-Imbissen oder China-Restaurants.
Ab dieser Ausgabe wird in allen Centern die ETHNOTRADE ausliegen.

Asia-Center sind
geschlossene
Gesellschaften.
Der Informationsfluss
erfolgt hier auf
mündlichem Wege
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Heute
gibt es allein in Berlin fünf Asia-Center. Weitere
entstanden und entstehen ständig neu in Leipzig,
Chemnitz, Dresden, Erfurt und Magdeburg. Sie sind Absatzmärkte
für die florierende vietnamesische Textilindustrie.
Mieter sind nicht mehr nur allein Vietnamesen, sondern
auch Chinesen, Inder, Pakistani und Türken. Neben
den inzwischen oft wirtschaftlich starken Großhändlern
haben sich auch allerlei Dienstleister dort angesiedelt:
Dolmetscherbüros, PC-und Telekommunikations-Service,
Steuerberater, Friseure, eine Kfz-Werkstatt …
Obwohl in dieser Branche viele Arbeitsplätze ganz
ohne Fördermittel entstanden sind, erfreuen sich
die Asia-Center keines übergroßen Interesses
von Seiten der Behörden und Politik. Dies wird
von den Vietnamesen aber in der Regel auch nicht eingefordert.
In Berlin war das lediglich 1997 und 2001 kurzzeitig
anders: Durch dubiose Machenschaften einer Vermieterfirma
standen rund hundert Großhändler plötzlich
ohne Gewerberäume da. Sie suchten Hilfe bei der
Politik. Bis heute kommt dieser expandierende Wirtschaftszweig
in städtischen Planungen nicht vor. Es gibt keine
Diskussionen, wie viel solcher Handelsfläche eine
Stadt wie Berlin braucht, wie Konflikte mit Grundstücksnachbarn
vermieden werden können etc. Den Händlern
fehlen Ansprechpartner in Behörden und Politik.
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Lediglich zur Polizei vor Ort haben sich einige Kontakte
ergeben. Da kam es in Berlin-Marzahn auch schon vor, dass
Händler die Ordnungshüter baten, gegen die Hehlerei
in ihrem Umfeld vorzugehen. Asia-Center sind geschlossene
Gesellschaften. Der Informationsfluss erfolgt hier auf mündlichem
Wege, ähnlich wie der Dorftratsch vor dem Zeitalter von
Fernsehen und Zeitungen. Die Nachbarn sind oft auch Vietnamesen
und tolerieren, dass leere Kartons längere Zeit auf dem
Gang herumliegen. Auch der Geruch von Fischsoße und
Räucherstäbchen stört hier niemanden. Nur durch
den großen Fleiß der Händler kann dieser
Wirtschaftszweig überleben. Die Arbeitswoche der Groß-
und Einzelhändler zählt oft sieben Tage. Lediglich
während des vietnamesischen Neujahrsfestes im Januar/Februar
nehmen sich die meisten einige Tage frei, die sie mit ihrer
Familie verbringen.
Meinungsverschiedenheiten bleiben bei so vielen Händlern
unter einem Dach nicht aus. Die löst man nicht selten
mit Gewalt. So sind Asia-Center auch Schwerpunkte der Polizeiarbeit.
Häufige Delikte sind Verstöße gegen das Markengesetz
bei billigen Textil-Duplikaten, Schwarzarbeit, Hehlerei, Geldwäsche
und lebensmittelhygienische Verstöße. Im November
1992 ergab eine Überprüfung des Landesarbeitsamtes
im Dong-Xuan-Center in Berlin 41 Verstöße gegen
das Gewerbe- und Arbeitsrecht. Im vergangenen Jahr wurde ein
Asia-Center in Berlin-Lichtenberg, das derzeit außer
Betrieb ist, Opfer einer Sachbeschädigung im Umfang von
einer halben Million Euro. In Sachsen kam es bis jetzt zu
insgesamt sechs Großbränden in Asia-Centern; die
Polizei geht von organisierter Kriminalität aus. In Berlin
wurde 2002 ein Gastwirt in einem Asia-Center um Schutzgelder
erpresst. Die Täter sitzen in Haft. Neue Konflikte könnte
es im kommenden Jahr geben, denn zunehmend drängen Chinesen
in diese bisher von Vietnamesen dominierte Branche vor. Sie
handeln mit einem ähnlichen Sortiment, dies aber auf
eine professionellere Art und Weise. Was passiert, wenn viele
der geringer qualifizierten vietnamesischen Großhändler
dieser Konkurrenz nicht standhalten können?
45% der Vietnamesen heißen «Nguyen»
«Guten Tag, ich bin Herr Nguyen». Obwohl «Nguyen»
der weitaus häufigste Nachname in Vietnam ist –
offizielle Schätzungen sprechen ihn etwa 45 Prozent aller
Vietnamesen zu – würde sich kein Träger dieses
Namens so vorstellen. Nachnamen benutzen Vietnamesen lediglich
im Verkehr mit Behörden. Im Alltag braucht man sie nicht.
Auch an den Briefkästen stehen lediglich Vornamen. Gibt
ein Vietnamese in einem amtlichen Schriftstück seinen
vollständigen Namen an, dann steht an erster Stelle der
Nachname, an zweiter der geschlechtsspezifische Mittelname
und an dritter der Vorname. Spricht die Beamtin auf dem Bauamt
Herrn Nguyen Van Thanh mit «Herr Thanh » an, dann
hat sie zwar ohne es zu wollen dessen Vornamen benutzt, aber
dennoch nichts falsch gemacht. Für Vietnamesen ist das
normal. Duzt man diesen Herrn, dann sagt man statt «Herr
Thanh» einfach «Thanh». Hat der Herr promoviert,
wird der Doktortitel dem Vornamen vorangestellt: Herr Dr.Thanh».
Und weil auch Vornamen recht häufig vorkommen, hängt
man, um die Menschen voneinander zu unterscheiden, gern einen
Spitznamen dran. Dazu dienen bei Vietnamesen in Deutschland
auch deutsche Wörter. So nennt man beispielsweise den
vietnamesischen Geschäftsmann aus Dresden, dem in der
Nähe des Hauptbahnhofes die Asia-Imbisse gehören
«Minh Bahnhof». Es soll in Vietnam gut 200 Nachnamen
geben. Oft unterscheiden die sich aber nur in der Phonetik
voneinander. Schreibt man die Nachnamen mit lateinischen Buchstaben
und lässt die Sonderzeichen der vietnamesischen Sprache
weg, dann reduziert sich ihre Zahl erheblich. Gebräuchliche
Namen gibt es rund 20.
Artikel von Marina Mai
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Marina Mai
ist freiberufliche Journalistin.
«Vietnamesen in Deutschland » ist einer
ihrer Themenschwerpunkte.
Sie arbeitet auch für die vietnamesische Redaktion
von Radio Multikulti.
Die Sendung wird Sonntags um 19.30 Uhr auf UKW 106,8
in Berlin
und Teilen Brandenburgs ausgestrahlt und von einem Großteil
der
9000 Berliner Vietnamesen gehört.
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